09.04.25

Herr Filipovic

Unterschiede zwischen Lohnabtretung und -pfändung

Unterschiede zwischen Lohnabtretung und -pfändung

Bekanntlich führen viele Wege nach Rom. Auch für Gläubiger gibt es verschiedene Wege, offene Forderungen einzuholen. Zwei davon sind Lohnabtretung und -pfändung. Da der Begriff Lohnpfändung oft für beides verwendet wird, ist vielen unklar, dass es sich bei Lohn­abtretung und Lohnpfändung um zwei unterschiedliche Verfahrens­weisen handelt. Wer als Schuldner die Unterschiede zwischen Lohnabtretung und -pfändung kennt, kann recht­zeitig einschreiten und läuft weniger Gefahr, dass durch fehelerhafter Umgang mit der Lohnabtretung oder -pfändung zu viel Geld an die Gläubiger überwiesen wird, das man nicht wieder zurück bekommt.

So funktionieren Lohnabtretung und Lohnpfändung

Lohn- bzw. Gehaltsabtretung

Eine Lohn- bzw. Gehalts­abtretung kann sich grund­sätzlich jeder unterschreiben lassen, der einem anderen Geld leiht. Bei der Abtretung überträgt der Schuldner den pfändbaren Anteil seines Arbeits­entgelts an den Gläubiger. Diese Übertragung stellt eine Sicherheit für den Gläubiger für den Fall dar, dass das Darlehen nicht zurückge­zahlt wird.

Solange sich der Gläubiger nicht auf die Abtretung beruft und den pfändbaren Betrag vom Arbeit­geber einfordert (sog. Offen­legung der Lohn­abtretung), erhält der Schuldner weiterhin seinen vollen Lohn bzw. sein volles Gehalt. Es handelt sich also um eine vorsorgliche Maßnahme, die im Kreditwesen zur Absicherung der Bank üblich ist.

Zur Lohn- oder Gehalts­abtretung können Regelungen in Ihrem Arbeits­vertrag getroffen werden. Mit der Folge, dass Ihr Arbeitgeber nicht auf jede Lohn­abtretung Zahlung leisten muss. Bei diesem Thema gibt es viele Fall­stricke, Arbeits­vertrag und Abtretungs­vereinbarung müssen deshalb sorgfältig analysiert werden.

Lohn- bzw. Gehaltspfändung

Für eine Pfändung muss immer ein voll­streckbarer Titel gegen den Schuldner erwirkt werden. So auch bei der Lohnpfändung. Ihr Gläubiger kann dann bei Gericht die Durch­führung beantragen, woraufhin Ihr Arbeitgeber vom Voll­streckungs­gericht einen Pfändungs- und Über­weisungs­beschluss erhält. Diesem muss Ihr Arbeit­geber Folge leisten. Ein abweichende vertragliche Regelung ist nicht möglich.

Sowohl Lohnabtretung als auch Lohnpfändung erfolgen direkt beim Arbeit­geber. Das bedeutet, dieser berechnet anhand Ihrer Situation den unpfändbaren Teil Ihres Einkommens und führt den darüber liegenden Teil Ihres Einkommens an den ent­sprechenden Gläubiger ab.

Arbeitgeber, die bisher noch nicht mit Lohnabtretungen oder -pfändungen zu tun hatten und keine Erfahrung mit den rechtlichen Vorrängen und der Errechnung des pfändbaren Betrags haben, führen in manchen Fällen nicht die richtigen Summen an die Gläubiger ab. Deswegen lohnt sich oftmals eine Prüfung – auch um den pfändungsfreien Betrag wenn möglich erhöhen zu lassen.

Und was muss ihr Arbeitgeber tun, wenn beides von unterschieldichen Gläubigern bei ihm eingeht?

Was hat Vorrang: Lohnabtretung oder -pfändung?

Sofern keine vertraglichen Regelungen entgegen­stehen ist die Lohnabtretung vor der Lohn­pfändung zu bedienen, wenn sie bereits vor der Pfändung vereinbart war. Das bedeutet der Betrag Ihres Einkommens, der über dem unpfändbaren Betrag liegt, wird zunächst an den Gläubiger ausgezahlt, der die Lohnabtretung offengelegt hat. Anschließend wird der Gläubiger mit der Lohnpfändung bedient.

Es kann auch sein, dass ein Gläubiger mehrere Monate Ihr Gehalt pfändet und ein zweiter Gläubiger später die Gehalts­abtretung offenlegt. Dann bekommt entsprechend des Vorrangs der zweite Gläubiger den Mehrbetrag über der Pfändungs­freigrenze als erster ausgezahlt und nicht wie zuvor der erste Gläubiger. Es ist unerheblich, dass diese Offen­legung erst nach der Pfändung erfolgt ist.

Unterschiede Lohnabtretung und -pfändung auf einen Blick

LohnabtretungLohnpfändung
  • Wird zwischen Schuldner und Gläubiger vereinbart (kein Titel erforderlich)
  • Arbeitgeber bekommt Abtretung vom Gläubiger
  • Muss nicht in jedem Fall vom Arbeitgeber bedient werden
  • Wird vor einer Pfändung vom Arbeitgeber bedient, wenn sie schon vorher vereinbart war
  • Voraussetzung ist ein voll­streckbarer Titel
  • Arbeitgeber bekommt Pfändungs- und Über­weisungs­beschluss vom Gericht
  • Arbeitgeber muss auf eine Pfändung Zahlung leisten

 

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