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02.04.26

Frau Meiser

Buy Now, Pay Later

Frau hält Smartphone mit "Buy Now, Pay Later" - Symbolbild für flexible Ratenzahlung beim Online- oder In-Store-Shopping

„Jetzt kaufen, später zahlen“ – dieser Satz begegnet uns heute bei fast jedem Online-Checkout. Klarna, PayPal Ratenzahlung, Ratepay, Afterpay: Buy Now, Pay Later (BNPL) ist in wenigen Jahren von einer Nischenlösung zum Standard im E-Commerce geworden.
In Deutschland verliert laut BaFin jeder(r) Siebte schon mal Überblick. Besonders stark verbreitet ist die Nutzung bei 18- bis 34-Jährigen – also genau der Gruppe, die oft noch kein gefestigtes Finanzmanagement betreibt.
Das Problem ist nicht der Service selbst. Das Problem ist, dass BNPL wie ein harmloser Komfort-Service aussieht, rechtlich aber in vielen Fällen ein echter Kreditvertrag ist – mit allen Konsequenzen, die das bei Nichtzahlung bedeutet. Wer das unterschätzt, gerät schnell in eine Spirale aus Mahnungen, Inkassoforderungen und negativen SCHUFA-Einträgen.

Was ist "Buy Now, Pay Later"?

„Buy Now, Pay Later“ (BNPL) heißt auf Deutsch: Jetzt kaufen, später bezahlen. Es handelt sich um Zahlungsdienste, die es Ihnen ermöglichen, Produkte sofort zu erhalten und erst Tage oder Wochen später zu bezahlen. Anbieter wie Klarna, PayPal, Afterpay, Ratepay oder Scalapay machen das möglich. Viele Shops binden diese Optionen direkt in den Bestellprozess ein.

Typische BNPL-Modelle:

  • Bezahlung nach 30 Tagen
  • Aufteilung in 3–4 zinsfreie Raten
  • Flexible Laufzeiten mit Gebühr (z. B. 6 bis 24 Monate)

Wichtig: Auch wenn es sich locker und einfach anfühlt, ist BNPL rechtlich fast immer ein Kreditvertrag.

Warum ist BNPL so beliebt?

BNPL-Dienste sind niedrigschwellig und wirken unverbindlich. Die wichtigsten Gründe für ihre Beliebtheit:

  • Keine formellen Hürden: Keine Bank, keine Kreditkarte, keine aufwändige Bonitätsprüfung
  • Flexibilität: Wer heute kein Geld hat, kann trotzdem kaufen
  • Psychologischer Effekt: Kauf und Bezahlung sind entkoppelt, das schwächt das Kostenbewusstsein
  • Marketing: „Zahlen Sie wie Sie wollen“ klingt angenehmer als „kaufen Sie jetzt auf Pump“

Gerade junge Erwachsene fühlen sich dadurch unabhängig und selbstbestimmt – und merken oft zu spät, dass sie sich verschuldet haben.

Zusätzlich arbeiten BNPL-Anbieter gezielt mit psychologischen Mitteln:

  • Voreinstellungen („Defaults“) führen zur bequemen Auswahl der Später-Zahlung
  • Emotionale Werbesprache („Gönn dir“, „Shoppen ohne Sorgen“) senkt Hemmschwellen
  • Die Entkopplung von Kauf und Zahlung verzerrt die Wahrnehmung des tatsächlichen Preises

Laut Capital/Adyen haben 2024 bereits 25 % aller Deutschen BNPL genutzt – bei Millennials sind es sogar 34 %

Die unsichtbare Schuld: Wo die Risiken liegen

1. Kleinbeträge summieren sich schnell
Ein T-Shirt hier, ein Bluetooth-Lautsprecher dort – jeweils auf Rechnung oder Raten. Einzelne Beträge wirken harmlos. Doch sie summieren sich. 5 Bestellungen à 50 Euro ergeben 250 Euro. Kommen Mahngebühren und Verzugskosten hinzu, kann sich der Betrag leicht verdoppeln.

2. Kosten bei Zahlungsverzug
Wer nicht pünktlich zahlt, riskiert:

  • Mahngebühren (5–10 € pro Mahnung)
  • Verzugszinsen
  • Kosten für Fristverlängerungen
  • Inkassogebühren

Ein verspätet bezahlter Einkauf über 80 Euro kann am Ende mehr als 160 Euro kosten – ohne dass Sie etwas zurückgeschickt haben.

3. SCHUFA-Einträge
Wird die Zahlung nicht rechtzeitig geleistet, melden manche Anbieter dies an Auskunfteien wie die SCHUFA. Folge: Ihr Score sinkt, was künftige Kredite (z. B. für ein Auto oder eine Wohnung) erschwert.

4. Fehlender Überblick
Im Gegensatz zu einem klassischen Ratenkredit verläuft BNPL oft außerhalb Ihres Girokontos. Viele Nutzer wissen nicht mehr:

  • Welche Raten noch offen sind
  • Wann welche Zahlung fällig ist
  • Wie hoch die Gesamtschulden sind

5. Geringe Transparenz
BNPL-Anbieter sind oft keine klassischen Banken. Entsprechend fehlen gesetzlich vorgeschriebene Beratungen oder ausführliche Aufklärungen, wie sie bei Bankkrediten üblich sind.

Fallbeispiel: Wie kleine Schulden groß werden

Julia (24) studiert, jobbt nebenbei und wohnt in einer WG. Sie nutzt BNPL mehrfach im Jahr – für Kleidung, Pflegeprodukte, ein neues Tablet fürs Studium. Beträge: meist zwischen 30 und 60 Euro.
„Es wirkte so harmlos – ich hatte nie das Gefühl, mir etwas wirklich Teures zu leisten.“

Nach vier Monaten hat sie:

  • 6 laufende BNPL-Raten
  • Monatliche Belastung: 130 € (bei 1.300 € Einkommen)
  • Eine Zahlung rutscht durch, Mahnung kommt, Inkasso folgt

Ich dachte, das klärt sich irgendwie – aber ich hab die Briefe gar nicht mehr geöffnet. Das hat mich überfordert.“

Ein halbes Jahr später:

  • Gesamtschulden: 960 €
  • Kreditwürdigkeit beeinträchtigt
  • Angst, mit Eltern oder Mitbewohner darüber zu sprechen

Ich hab mich geschämt – alle dachten, ich sei super organisiert. Dabei war ich völlig überfordert.

Was Sie tun können, um die Kontrolle zu behalten

1. Überblick schaffen

Schreiben Sie sich auf:

  • Welche BNPL-Dienste Sie nutzen
  • Welche Rechnungen offen oder überfällig sind
  • Wie hoch Ihre offenen Beträge sind

Eine einfache Excel-Liste oder ein Zettel reichen.

2. Zahlungen priorisieren

Zuerst zahlen:

  • Mahnungen
  • SCHUFA-relevante Forderungen
  • Inkassofälle

Wenn das Geld nicht reicht: Kontaktieren Sie den Anbieter. Oft sind Zahlungsaufschübe oder Ratenreduzierungen möglich.

3. Keine neuen BNPL-Käufe

Deaktivieren Sie BNPL in Ihren Accounts. Bestellen Sie nur noch, wenn Sie direkt zahlen können. In vielen Shops können Sie BNPL als Option ausschalten.

4. Digitale Tools nutzen

Apps wie Finanzguru oder MoneyControl helfen, den Überblick über laufende Zahlungen zu behalten. Kalendererinnerungen oder Budget-Apps können Sie zusätzlich unterstützen.

Besseres Konsumverhalten entwickeln

Wenn Sie merken, dass Sie oft impulsiv kaufen oder BNPL regelmäßig nutzen, helfen Ihnen folgende Strategien:

  • Budget setzen: z. B. 100 Euro/Monat für Onlinekäufe
  • Haushaltsbuch führen: digital (App) oder analog
  • 24-Stunden-Regel: Vor jedem Kauf einen Tag warten
  • Nur per Lastschrift oder Sofortzahlung zahlen

Wer bewusst konsumiert, spart nicht nur Geld, sondern gewinnt auch Sicherheit und Selbstbestimmung.

Checkliste: Warnzeichen für BNPL-Überforderung

  • Ich habe mehr als 3 laufende Ratenkäufe gleichzeitig
  • Ich verliere regelmäßig den Überblick über Fälligkeiten
  • Ich erhalte Mahnungen oder Inkasso-Post
  • Ich nutze BNPL, obwohl ich weiß, dass ich nicht zahlen kann
  • Ich habe Angst, meine Kontoauszüge zu öffnen

Wenn Sie 2 oder mehr Aussagen mit „Ja“ beantworten, ist es Zeit für Unterstützung. Warten Sie nicht, bis der Schaden größer wird.

Häufige Fragen zu BNPL (FAQ)

Ist BNPL immer ein Kredit?

Nicht in jedem Fall. Ein einfacher Zahlungsaufschub von 14 oder 30 Tagen ist rechtlich eher ein erweitertes Zahlungsziel. Ratenzahlungsvereinbarungen hingegen gelten in der Regel als Verbraucherkreditverträge und unterliegen dem Verbraucherkreditrecht – mit entsprechenden Informationspflichten.

Wird BNPL automatisch in der SCHUFA eingetragen?

Nicht automatisch. Bereits bei der Nutzung kann aber eine Bonitätsabfrage als weiche Anfrage sichtbar werden. Bei dauerhaftem Zahlungsausfall und Übergabe an Inkasso ist ein negativer Eintrag möglich.

Kann ich BNPL-Schulden verhandeln?

Ja. Besonders bei Inkassoforderungen ist ein Vergleich (also eine Einigung auf einen reduzierten Betrag) oft möglich – besonders wenn Sie glaubhaft machen können, dass eine vollständige Zahlung nicht kurzfristig realistisch ist. Holen Sie sich dabei Unterstützung durch eine Schuldnerberatung.

Was tun, wenn ich eine Inkasso-Forderung bekomme?

Ignorieren Sie sie nicht. Prüfen Sie zunächst, ob die Forderung berechtigt ist (Betrag, Zinsen, Gebühren). Wenden Sie sich dann schriftlich an das Inkassounternehmen und bitten Sie um eine Ratenvereinbarung. Bei Unsicherheit: Verbraucherzentrale kontaktieren.

Darf ein BNPL-Anbieter meine SCHUFA abfragen?

Ja, das ist mit Ihrer Zustimmung – die Sie bei der Nutzung meist stillschweigend erteilen – rechtlich zulässig. Viele Anbieter tun dies im Hintergrund, auch wenn der Checkout unkompliziert wirkt.

Kann ich als Minderjähriger BNPL nutzen?

Rechtlich nein – Minderjährige können keine eigenständigen Kreditverträge abschließen. In der Praxis werden Altersangaben aber nicht immer geprüft. Eltern haften unter Umständen, wenn sie Konten mitnutzen oder den Kauf dulden.

Wie lange bleibt ein negativer SCHUFA-Eintrag bestehen?

In der Regel drei Jahre nach vollständiger Begleichung der Forderung. Danach wird er automatisch gelöscht.

Lohnt es sich, die SCHUFA-Auskunft zu beantragen?

Ja – und das ist kostenlos. Einmal pro Jahr hat jeder Verbraucher Anspruch auf eine kostenlose Datenkopie (früher: Eigenauskunft). So sehen Sie, welche Einträge vorhanden sind und ob Fehler korrigiert werden müssen. Antrag unter meineschufa.de.

Gibt es Alternativen zu BNPL?

Ja. Wer sich einen Kauf nicht sofort leisten kann, hat grundsätzlich drei seriöse Alternativen: warten und sparen, einen zweckgebundenen Dispositionsrahmen nutzen (mit Vorsicht) oder – bei größeren Beträgen – einen regulären Ratenkredit mit transparenten Konditionen bei einer Bank aufnehmen.

Fazit

Buy Now, Pay Later ist weder gut noch schlecht. Es ist ein Werkzeug – und wie jedes Werkzeug kommt es darauf an, wie man es einsetzt.
Wer BNPL bewusst nutzt, eine Zahlung aufschiebt, weil das Geld in wenigen Tagen auf dem Konto ist, und nie mehr offene Beträge hat, als er überblickt – der hat kein Problem. Wer BNPL nutzt, um sich Dinge zu leisten, die er sich eigentlich nicht leisten kann, baut stille Schulden auf.

Die entscheidende Frage vor jedem BNPL-Kauf lautet: Könnte ich das auch sofort bezahlen? Wenn die Antwort nein ist, sollte die Antwort auf BNPL ebenfalls nein sein.
Kontrolle beginnt mit Überblick. Und Überblick beginnt damit, dass Sie sich heute, jetzt, fünf Minuten nehmen und aufschreiben, was Sie offen haben.

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