Von Frau Bening / Letzte Aktualisierung: 9. Juni 2026 / 4 Minuten Lesezeit / AdvoNeo, Allgemein, Hilfe, Schulden

Schulden können Menschen psychisch stark belasten und in manchen Fällen Depressionen, Angstzustände oder andere psychische Erkrankungen verstärken.
Wer ständig unter finanziellem Druck steht, Mahnungen fürchtet oder keinen Ausweg mehr sieht, leidet oft nicht nur finanziell, sondern auch emotional.
Wichtig ist: Es gibt fast immer Handlungsmöglichkeiten – auch wenn es sich im Moment nicht so anfühlt.
Ja, das können sie.
Was wir in unserer Beratung aber immer wieder erleben: Je länger Schulden ungelöst bleiben, desto stärker wird häufig die psychische Belastung.
Nicht jeder Mensch reagiert gleich auf finanzielle Probleme. Manche behalten auch in schwierigen Situationen einen klaren Kopf. Andere geraten bereits bei kleineren Schulden unter erheblichen Druck.
Schuldner werden jeden Tag mit ihrem Problem konfrontiert. Dies kann auch Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Der Druck, unbedingt aus der Situation heraus kommen zu müssen verursacht Stress, auf den jeder Mensch anders reagiert. Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Migräne, Gereiztheit, Aggression und Co. können die körperliche und psychische Gesundheit negativ beeinträchtigen.
Niemand gibt gerne zu, Schulden zu haben. Deswegen wird eine finanzielle Notlage oft verheimlicht – in manchen Fällen sogar vor dem eigenen Partner. Das ist anstrengend. Je länger der Zeitraum andauert, desto größer werden meistens die Schulden und damit auch die Sorgen des Schuldners.
Die Hemmung, sich Hilfe zu suchen, ist trotzdem sehr groß. Unserer Erfahrung nach wenden sich viele Schuldner erst an eine Schuldnerberatung, wenn sie das Gefühl haben, wegen Schulden keinen Ausweg mehr zu sehen.
Der Zeitpunkt, wann bei jemandem dieses Gefühl entsteht, ist dabei ganz unterschiedlich. Für einige Menschen bedeutet zwei Monate hintereinander den Dispo-Kredit in Anspruch zu nehmen ein schweres Problem. Andere leben seit mehreren Jahren von wechselnden ausgereizten Kreditkarten – bis sie keine mehr bekommen.
Nein. Schulden oder andere negative Ereignisse im Leben eines Menschen sind keine alleinigen Auslöser einer Depression. Eine Depression wegen Schulden zu bekommen ist nicht möglich. Schulden können jedoch bei Menschen mit Veranlagung zur Depression oder bereits auch unerkannt Erkrankten ein Faktor sein, der das Auftreten einer Depression bewirkt.
Menschen, die an einer Depression erkrankt sind oder die durch genetische Veranlagung hierzu neigen, empfinden die Situation der Überschuldung als unüberwindbares Problem. Das Gefühl, es gäbe auch wegen der Schulden keinen Ausweg mehr, kann sich über einen längeren Zeitraum festsetzen. Es können körperliche Beschwerden durch die Erkrankung auftreten. Die Schulden sind dabei vielmehr eines der für den Betroffenen erdrückenden Probleme.
Hilfe bekommen Sie zum Beispiel bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Hier finden Sie Informationen zum Umgang mit der Krankheit Depression. Sie können einen Selbsttest machen, das kostenfreie Info-Telefon Depression anrufen, über ein Online-Forum Kontakt zu Betroffenen oder Angehörigen aufnehmen und mehr.
Die Veranlagung zu Depression oder die tatsächliche Erkrankung bedeutet nicht, dass Sie niemals schuldenfrei werden können. Jedoch geht es zunächst darum, dass Sie Hilfe für die Behandlung Ihrer Krankheit erhalten. Eine Depression im medizinischen Sinne muss behandelt werden. Erst wenn Sie soweit sind, sollten Sie in einem der nächsten Schritte eine Entschuldung angehen. Im besten Fall kann Ihnen dadurch eine weitere Last von den Schultern genommen werden. Auch einige unserer Mandanten befanden und befinden sich wegen Depressionen in psychologischer Betreuung. Wichtig ist, dass Sie sich bereit hierzu fühlen und auch von Ihrem behandelnden Arzt das „Okay“ erhalten haben.
Es ist gefährlich, wenn die Depression unerkannt und vor allem unbehandelt bleibt. Eine Depression kann auch zu Selbsttötungsversuchen führen, so die Stiftung Deutsche Depressionshilfe.
Manche Menschen belasten ihre Probleme und darunter auch die Geldprobleme so sehr, dass sie auch wegen ihrer Schulden keinen anderen Ausweg mehr sehen, als sich das Leben zu nehmen. In den Medien wird über einzelne Fällen berichtet.
Das Selbstmord wegen Schulden ein ernstzunehmendes Thema ist, haben auch wir bei AdvoNeo bereits erfahren müssen.
Wichtig ist, über Sorgen, Ängste und Probleme mit anderen zu sprechen. Es gibt verschiedene Wege, sich anonym anderen Menschen anzuvertrauen.
Bei der Telefonseelsorge können Sie anonym und kostenlos anrufen. Ihr Anruf erscheint weder in Ihrer Telefonrechnung noch ist er im Einzelverbindungsnachweis aufgeführt.
Wenn Sie sich nicht über das Telefon unterhalten möchten, können Sie bei Gedanken an Selbstmord wegen Schulden über den Chat mit der Telefonseelsorge Kontakt aufnehmen.
Auch ein persönliches Gespräch unter vier Augen ist bei der Telefonseelsorge an einigen Standorten möglich.
Weitere Informationen zur Suizid-Hilfe und Adressen für persönliche Gespräche finden Sie auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention .
Schulden sind lösbar. Das klingt in manchen Momenten wie eine leere Floskel. Aber wir haben noch niemanden erlebt, dessen Situation wirklich ohne Ausweg war. Was den Unterschied macht, ist nicht die Höhe der Schulden, sondern der Moment, in dem man aufhört, alleine damit zu kämpfen. Wenn Sie diesen Artikel bis hierher gelesen haben, sind Sie diesem Moment vielleicht näher, als Sie denken. Der erste Schritt muss kein großer sein – ein Anruf, eine E-Mail, ein erstes Gespräch.